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Marmor für alle


„Marmor für alle“

erschienen im Mitte Rand Verlag,

ist ein Stadtführer und Lesebuch zu mehr als 100 Kunstwerken im öffentlichen Raum Berlin nach 1945.

Mit Texten von Jörg Johnen und einem Gastbeitrag von Jeff Wall.


Mathias Rümmler:

Ca. 3 Jahre habe ich in und um Berlin Kunstwerke fotografiert, eine Bestandsaufnahme, eine Zustandsbeschreibung und Verortung der Kunst im öffentlichen Raum.


Vielen Dank für die schöne Zusammenarbeit mit Jörg Johnen und

dem Mitte Rand Verlag.

Beiträge zum Buch mit zahlreichen Fotos erschienen bei:

www.mitte-rand.dehttp://www.mitte-rand.dehttp://www.mitte-rand.deshapeimage_2_link_0

Fotografie: Mathias Rümmler

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Nominierung von der Stiftung Buchkunst 2019:

erschienen im MitteRand Verlag Berlin

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NEW!

von Jörg Johnen

Prora ist sicherlich ein Ort des großen Scheiterns in vielerlei Hinsicht. Er erzählt nicht nur von der Hybris und dem Untergang des Nationalsozialismus, sondern auch der Ratlosigkeit von Politikern, Behörden und Architekten unserer Zeit. Die Brache Prora ist hässlich und heruntergekommen, nun wird sie aufgetakelt.


Kilometerlang ziehen sich die bereits fertigen „umformten“ Blöcke der ehemaligen KdF Ferienanlage.

Die Baustelle ist riesig. Prora liegt in bester Lage. Vom noblen Binz erreicht man den Ort über einen Strandspaziergang am Meer. Im Winter ist hier alles ruhiger und Stille bereitet sich aus. Hinter einem Dünenwäldchen taucht der Koloss auf.


Das gigantomanische steckt tief im Gemäuer und wird beim ersten Anblick gewahr, selbst wenn Glasbalkone und frische Farbe die braune Herkunft versuchen zu übertünchen. Bei der Umgestaltung waren dem Architekten Grenzen gesetzt, das Gelände steht unter Denkmalschutz.


1937 zur Pariser Weltausstellung bekam der imposante Architekturentwurf von Clemens Klotz große Aufmerksamkeit, denn schließlich hatten alle Klötze einen Blick aufs Meer. Das perfide dahinter, wurde durch die Überdimensionierung und der doch teilweise modernistischen Architektur überlagert. Klotz plante eine Umgestaltung Kölns wie Albert Speer mit Berlin, entwarf einige Geschäfts und Industriebgebäude, versank aber schon während der Nazizeit in der Bedeutungslosigkeit.


Hitlers Traum vom Massentourismus für den kleinen Mann, als Belohnung für Linientreue und Aufopferung, findet nun doch noch seine Erfüllung in Kraft durch Freude 2.0?  Das gespenstige ist, die unfertige Anlage ist auch aus dem Blut und Schweiß unzähliger Zwangsarbeiter errichtet worden. Fast 7 Millionen davon mussten in Deutschland schuften, unter den schlimmsten Bedingungen.

20 000 Nazideutsche sollten hier ihren Urlaub verbringen. Der Krieg bereitete dem ein frühes Ende. Nach dem Krieg wurde das Gelände militärisch genutzt und unter anderem waren hier Bausoldaten der DDR, die zu Ihrem Dienst zwangsverpflichtet wurden.


Bis zu 500 teure Appartements, Ferienwohnungen und ein Hotel entstehen heute auf dem Gelände.

Der Look des Nazibetons wird im Inneren teilweise bewahrt. Beton ist still und schweigt und der Look ist plötzlich cool.

Das kleine Museum kämpft um seinen Fortbestand. Eine Jugendherberge und eine Diskothek sind in den Gebäuden.


Niemand will hier so recht über die Vergangenheit reden, es geht aufwärts und viele der Wohnungen sind schon verkauft.

Spaziergänger schütteln den Kopf über die Reanimation des Größenwahnsinn, Kaufinteressierte betreten verstohlen den  Besucherpavillon der Immobilienfirma.


Prora hat nichts von einem dieser leichten Sommertage. Man wird hier Teil einer Ideologie und kann sich dem kaum entziehen.

Fotos Prora_1.html
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fotos: mathias rümmler